Kollision. Im Labyrinth der unheimlichen Zufälle

2.4. – 26.6.16

Die Ausstellung Kollision. Im Labyrinth der unheimlichen Zufälle zeigt mit Arbeiten von 22 internationalen Künstler*innen die Wiederkehr einer surrealistischen Ästhetik auf. Sie geht auf die Beobachtung zurück, dass viele zeitgenössische Künstler*innen sich Techniken bedienen, die von den Surrealisten implementiert wurden; oder dass sie vergleichbare experimentelle Formen des künstlerischen Arbeitens erforschen. 
Die Analogien werden in der Ausstellung Kollision anhand von Entstehungs- und Erscheinungskriterien nachvollzogen. Es begegnen uns die nach Werner Spies „ausschlaggebenden Arbeitsstrategien“ der Surrealisten – Automatismus und Kombinatorik – in zeitgenössischer Variante. Auch bei den Inhalten der für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten lassen sich Parallelen zu surrealistischen Werken erkennen: das Traumhafte, Übernatürliche, Unheimliche, die fantastischen Objekte oder Landschaften. In einem Klima der Unsicherheit und Verwirrung unserer globalisierten Gesellschaft rückt der zerbrechliche Mensch wieder ins Zentrum der Debatten. 
Im Unterschied zur historischen Bewegung der Surrealisten handelt es sich bei den präsentierten Künstler*innen um keine Gruppe, die einem Manifest folgt oder eine politische Ausrichtung hat. Dennoch unterscheiden sich ihre Arbeiten vom Nihilismus der Postmoderne. So ist zum Beispiel die Art der Collage weniger kämpferisch ablehnend, sondern konstruktiv und kreiert ein – wenn auch häufig kryptisches – einheitliches Ganzes.
Kollision möchte zeigen, wie Künstler*innen stärker auf eine sensible und konzentrierte Art mit der heutigen Materialfülle umgehen, die weniger nach Außen als nach Innen weist – möglicherweise ein Hinweis auf eine Rückkehr zum Humanen, zu Emotionen und dem Eingeständnis von Verletzlichkeit auch in der Gegenwartskunst. 
Eröffnung mit der Performance Light-Space-Ideomotor in Vodou Rallizes profiles: Jérôme Porets Licht-Ton-Performances sind inspiriert von Brion Gysins Dreamachine und dem Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy. Der franzosische Künstler tritt zur Eröffnung von Kollision gemeinsam mit dem Deutsch-Palästinenser Ghazi Barakat aka Pharoah Chromium auf, der für seine goldene Maske und Experimentalkompositionen mit archaischen Anleihen bekannt ist.
Ein Archiv surrealistischer Filme von Luis Buñuel, René Clair, Maya Deren, Germaine Dulac, Ernst Moerman, Man Ray, Hans Richter und Henri Storck wurden gemeinsam mit Lucile Bouvard zusammengestellt. Es dient dem Besucher als Dokumentations- und Recherchematerial und ermöglicht innerhalb der Ausstellung einen individuellen Zugang und Vergleich mit der historischen Bewegung des Surrealismus.
Mit freundlicher Unterstützung der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten, Ausstellungsfonds Kommunale Galerien, Fonds Ausstellungsvergütungen für bildende Künstlerinnen und Künstler, Pro Helvetia, des Koreanischen Kulturzentrums und der SongEun Art and Cultural Foundation, Seoul, des Bureau des arts plastiques des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation, Bespoke Framing und Boesner.

Mit Arbeiten von

Astali/Peirce, Manon Bellet, Matti Isan Blind, DAS INSTITUT, Tatiana Echeverri Fernandez, Roland Flexner, Heike Gallmeier, April Gertler, Yunchul Kim, Birgit Krause, Alicja Kwade, Jan-Holger Mauss, Myriam Mechita, Jérôme Poret, Thomas Rentmeister, Roman Schramm, Michael Schultze, Ivan Seal, Heidi Sill, Henrik Strömberg, Claudia Wieser, Zoé T. Vizcaíno

Im Labyrinth der unheimlichen Zufälle ist ein Projekt des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, kuratiert von Conny Becker und Marie-José Ourtilane.