weitere Programmhinweise

Mark Andre, Stefan Lienenkämper & Samir Odeh-Tamimi

Istanbuler Kompositionen (2013–2019) interpretiert vom Hezarfen Ensemble
Konzert

28.10.2021, 20 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


Das Hezarfen Ensemble aus Istanbul und die Kulturakademie Tarabya verbindet eine enge und langjährige Zusammenarbeit. Seit 2012 hat das Ensemble mit zahlreichen Komponist:innen der Kulturakademie zusammengearbeitet und sie in Gesprächskonzerten dem türkischen Publikum vorgestellt. Die ausgewählten Komponisten des heutigen Abends – Mark André, Samir Odeh-Tamimi und Stefan Lienenkämper – wurden während ihres Stipendiums an der Kulturakademie zu zahlreichen neuen Kompositionen inspiriert. Die Musiker:innen des Hezarfen Ensembles bringen einige davon zur Aufführung. Zu hören sind Solo-, Duo-, Trio- und Quartett-Kompositionen für Streicher und Klavier.

Mit Ulrich Mertin (Viola), Özcan Ulucan (Violine), İmge Tilif Yalçınkaya (Violine), Ozan Evrim Tunca (Violoncello) & Müge Hendekli (Piano)

Tamer Yiğit: Serenade Remix (2021)

Musiktheater mit Valentina Bellanova, Jacco, Dissput,  Marwan Soufi & Tamer Yiğit
Deutsch, Englisch, Türkisch, mit deutschen und englischen Übertiteln (nicht durchgehend)
ca. 50min

16.+17. 10.2021, 20 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


1960, 1971, 1980, 1997… sind Jahre, in denen das türkische Militär putschte. Nichts hat die politische Kultur der heutigen Türkei tiefer verwundet als die Erfahrung ihrer eigenen Zerbrechlichkeit, denn die traumatischen Einbrüche haben sich in die Biografien ganzer Generationen eingeschrieben. Ausgehend vom erneuten Putschversuch im Sommer 2016 beleuchtet der Berliner Regisseur und Schauspieler Tamer Yiğit mit seiner neuen Arbeit das politisierte Individuum im andauernden Ausnahmezustand zwischen Fügung und Aufbegehren. Gemeinsam mit Punk- und Folkmusiker:innen aus Istanbul, Izmir und Berlin entwickelt er audiovisuelle Bilder und erzählt von permanentem Aufbruch und drohenden dystopischen Zuständen.

Komposition, Regie: Tamer Yiğit
Text, Bühne: Tamer Yiğit
Dramaturgische Beratung: Christel Weiler

Kadir „Amigo“ Memiş: Bleib auf’m Teppich (2020)

Performance, 30 Min

15.10.2021, 20 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


Der Teppich gilt in Anatolien als eine Art Brief: ein Transporter der Geschichten einer Region. Vielleicht kann man die Technik mit den „Feldbriefen“ der Weltkriege vergleichen. Politisches Unrecht, soziale Probleme oder persönliche Erlebnisse werden aus subjektiver Perspektive festgehalten, vor dem Vergessen geschützt und öffentlich gemacht. Kodiert in Farben, Formen und Symbolen wurden diese Botschaften zu einem Mosaik gewebt. Die Geschichten waren fast immer die Geschichten der einfachen Menschen und keine maschinell erzeugte Massenproduktion. Beim Weben von Wandteppichen bilden Körper und Geist eine Einheit, das Denken ist in den physischen Dialog der Arbeit von Händen und Füßen eingebunden. Die Performance bringt das Symbol des Teppichs in Kontakt mit dem urbanen Regelsystem von Berlin. Eine Metapher für Menschen, deren Stimme nicht gehört wird, aber auch für die Verdrängungsmechanismen der bürgerlichen Gesellschaft. Wenn es darum geht, ein neues System zu erlernen, müssen wir die alten Systeme löschen, um eine neue, eigene Kodierung zu entwickeln.

Video: Mischa Leinkauf (Livestream)
Musik: Nevzat Akpinar (Bağlama)
Performance: Kadir „Amigo“ Memiş

Jasmin İhraç: Sahman-Grenze-Kuş (2017)

Soloperformance

15.10.2021, 18 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


Eine tänzerische Auseinandersetzung mit den Erfahrungen, die die Choreografin und Tänzerin in der Ruinenstadt Ani an der türkisch-armenischen Grenze gemacht hat. Die Arbeit zeigt eine Annäherung an die Vielschichtigkeit des Ortes und beleuchtet Aspekte von Grenze, Spur, Tradition und Weitergabe von Erinnerung. Durch ein Spiel mit verschiedenen Präsenzebenen und der Kombination von Liveperformance mit Filmmaterial entsteht ein Dialog zwischen verschiedenen Medien, Zeitlichkeiten und Räumen.

Idee/Choreografie/Tanz Jasmin İhraç
Kamera Leyla Cömert, Yusuf Emre Yalçın
Schnitt Noam Gorbat
Sound Jan Brauer, Matija Vojvodić
Musik ‚Denge‘ von Zeynep Gedizlioğlu
Klavier Nare Karoyan
Artistic Advice Ayşe Orhon
Text Taniel Varoujan
Licht/Videoprojektion Fine Freiberg (Natalia Sookias, Turan Tayar)

Mit Unterstützung der Kunststiftung NRW und des Goethe Instituts.
Teil der Recherche für diese Produktion wurde 2017 im Rahmen des Projektes „Unacknowledged Loss“ unter der Leitung von Barbara Raes durchgeführt, ein Projekt des HAU Hebbel am Ufer. Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Mit besonderem Dank an Ricardo Carmona, Nevzat İhraç, Julien Devaux, Nigol Bezjian, Erhan Arık, Krikor Moskofian, Quin Manassian, Turan Tayar und Catalina Fernández

Mürtüz Yolcu: Drei Szenen aus dem Stück Ist Side Story

Mit Sasun Sayan und  Aysu Marie Wagner

12.10.2021, 20 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien

Mürtüz Yolcu hat während seinem Aufenthalt in der Kulturakademie Tarabya ausgehend von dem berühmten  Musical “West Side Story” ein Drehbuch geschrieben. “Ist Side Story” porträtiert zwei groß Familien und deren Überlebenskämpfe  in einer Istanbuler Randbezirk Atmosphäre: Die Liebesgeschichte spielt sich dabei vor dem Hintergrund eines Bandenkriegs rivalisierender ethnischer Jugendbanden ab: die kurdische IST’S und der syrische Shark’s. Eine zeitgenössische Romeo und Julia-Geschichte in Istanbul.

Zwei Projekte, ein Thema: Der NSU-Komplex mit Tuğsal Moğul, Nuran David Çalış und Tunçay Kulaoǧlu

Szenische Lesung aus Auch Deutsche unter den Opfern von Tuğsal Moğul
Videodokumentation aus 438 TAGE NSU-PROZESS — EINE THEATRALE SPURENSUCHE von Nuran David Çalış und Tunçay Kulaoǧlu
Gespräch mit Tuğsal Moğul und Tunçay Kulaoǧlu

14.10.2021, 20 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


Der Abend lädt zwei wichtige Projekte zum Thema NSU ein: Die szenische Lesung von Tuğsal Moğuls Recherchestück Auch Deutsche unter den Opfern und die Videodokumentation aus dem dokumentarisch-performativen Reenactment 438 TAGE NSU-PROZESS – EINE THEATRALE SPURENSUCHE von Nuran David Çalış und Tunçay Kulaoǧlu.

Tuğsal Moğuls Recherchestück Auch Deutsche unter den Opfern wurde am 17. Januar 2015 in Eigenregie am Theater Münster uraufgeführt. Nach intensiver neunmonatiger Recherche hat er Fakten und Aussagen, Polizeimeldungen und Statements von Politikerinnen und Politikern zu der NSU-Mordserie im Besonderen und zu rechter Gewalt im Allgemeinen gesammelt. Er hat den NSU-Prozess in München besucht, mit Rechtsanwälten, Journalisten und Prozessbeobachtern gesprochen und daraus ein Stück entwickelt. An dem Abend werden Szenen aus dem Stück gelesen. 

Das dokumentarisch-performative Reenactment 438 TAGE NSU-PROZESS – EINE THEATRALE SPURENSUCHE hat zum 10. Jahrestag der Öffentlichwerdung des NSU den Prozess entlang thematischer Schwerpunkte rekapituliert. Im Rahmen des Kunstfest Weimar wurden die Tatkomplexe an 17 Tagen in 17 Kapiteln verhandelt und unterschiedliche Perspektiven auf den Prozess sowie auf die bis heute offenen Fragen eröffnet. Dabei wurden Protokolle von Weimarer und Jenaer Bürger*innen, Prozessbeteiligten oder Personen des öffentlichen Lebens übernommen worden.  

An dem Abend im Studio1 wird die Videodokumentation des 14. Kapitels gezeigt, das den Mord an Halil Yozgat in den Fokus nimmt. 

Regie führte Nuran David Çalış, der als Experte für dokumentarische Theaterformate mit politischen Schwerpunkten gilt. Die Textfassung ist von Tunçay Kulaoǧlu, der bereits die Vorlage für das 2019 entstandene »Reichstags-Reenactment« entwickelte.

Im Anschluss wird es ein Gespräch mit dem Autor und Regisseur Tuğsal Moğul und dem Dramaturgen Tunçay Kulaoǧlu geben. 

Szenische Lesung
Auch Deutsche unter den Opfern
Regie: Tuğsal Moğul
Mit Aylin Esener, Hasan Taşgın, Mürtüz Yolcu

Video Documentation aus der
438 TAGE NSU-PROZESS — EINE THEATRALE SPURENSUCHE
Regie & Video: Nuran David Çalis
Text & Dramaturgie: Tunçay Kulaoğlu
Bühne: Irina Schicketanz
Kostüme: Sara Drasdo
Musik: Vivan Bhatti
Mit Mitgliedern des Schauspielensembles des DNT und Bürger*innen aus Weimar

* UNTER VERWENDUNG VON TEXTEN AUS DER NSU-PROZESS. DAS PROTOKOLL. VON ANNETTE RAMELSBERGER, TANJEV SCHULTZ, RAINER STADLER UND WIEBKE RAMM ©VERLAG ANTJE KUNSTMANN, MÜNCHEN 2018. AUFFÜHRUNGSRECHTE BEIM ROWOHLT THEATER VERLAG, HAMBURG.


 

Podiumsdiskussion mit Mehtap Baydu, Johannes Ebert und Esra Küçük

Die Kulturakademie Tarabya: Ein Ort der künstlerischen Freiheit und des Dialogs feiert sein 10-jähriges Bestehen

Moderation: Jana Münkel
In Kooperation mit Deutschlandfunk Kultur

13.10.2021, 18 Uhr
Studio 1 – Kunstquartier Bethanien


Im Oktober 2011 schlug die Geburtsstunde der Kulturakademie Tarabya: Nach intensiv geführten Debatten, bei denen parteiübergreifend die Abgeordneten des Deutschen Bundestages eine sehr aktive Rolle spielten, konnte der Grundstein zur Erfolgsgeschichte der Kulturakademie Tarabya als gemeinsames Projekt des Auswärtigem Amts und des Goethe-Instituts gelegt werden. Kulturaustausch lebt von Vielstimmigkeit und Diversität. Wie steht es um die künstlerische Freihei in der Türkei und in Deutschland, wie kann diese durch Residenzprogramme wie die Kulturakademie Tarabya gefördert werden? Wie kann die Mobilität von Kunstschaffenden – auch in Krisenzeiten – gewahrt werden? Vertreter:innen aus Politik und Kultur im Gespräch zur Perspektiven für den deutsch-türkischen Kulturaustausch – in politisch angespannten Zeiten.
 
Sprache: Deutsch

Kommunale Galerie

Der Kunstraum Kreuzberg/Bethanien ist eine Kommunale Galerie des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg und erhält hierüber seine Grundfinanzierung. Der Kunstraum ist Mitglied im Arbeitskreis der Kommunalen Galerien Berlin. Seit 2014 wird die Arbeit des Kunstraumes unterstützt aus Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Ausstellungsfonds Kommunale Galerien www.kgberlin.net

Weitere Hinweise über Ausstellungen in Berlin erhalten Sie unter:

Der Kunstraum Kreuzberg ist eine Einrichtung des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg. Informationen zum Fachbereich Kultur und Geschichte des Bezirksamtes erhalten Sie unter: www.kultur-friedrichshain-kreuzberg.de