Capitalo, Chthulu, and a Much Hotter Compost Pile. Über Mensch-Umwelt-Verhältnisse

14.4. – 10.6.18

Wir befinden uns gegenwärtig nicht in einer ökologischen Krise, im Sinne eines temporären Ausnahmezustandes, sondern erleben eine irreversible Mutation des globalen Klimas und der Bewohnbarkeit des Planeten Erde. Dieser Prozess wird von Umweltverschmutzung, Ozeanübersäuerung, Ressourcenabbau und der Nutzung fossiler Brennstoffe, von agrochemischer Industrie und Kriegsführung vorangetrieben, um nur einige der anthropogenen, also menschlichen, Faktoren zu benennen. Der Begriff Anthropozän  beschreibt diesen spezifischen Zustand als eine neue geologische Epoche, die sich durch die erheblichen Auswirkungen menschlichen Handelns auf die biosphärische Stabilität der Erde auszeichnet.
Dabei ist der Begriff nicht umstritten, denn er erklärt die Menschheit als Ganzes als geologischen Akteur und verdeckt dabei die strukturelle Verantwortung  multinationaler Konzerne und neoliberaler Finanzeliten. Das Kapitalozän, das Zeitalter des Kapitals, zielt im Gegensatz dazu auf eine Analyse  der Auswirkungen globaler Finanzsysteme und kapitalistischer Wirtschaftspolitik auf den Klimawandel.  Unter Berücksichtigung der biophysischen Kosten des Kapitalismus, die menschliche und ökologische Akteure in ganz ungleichem Maße zu tragen haben, beschäftigt sich die Ausstellung zentral mit der Frage nach dem Verhältnis des Menschen-in-der-Natur und der Natur-im-Menschlichen. 
Menschliche und nicht-menschliche Akteure sind verwoben in komplexen, tentakelartigen Netzwerken, in einer Vielzahl von andauernden Verbindungen, die sich über biotische und abiotische Prozesse erstrecken. Das Chthuluzän ist eine Raum-Zeit der artenübergreifenden Interaktion und generativen Zusammenarbeit in einer beschädigten Welt. Chthonische, beziehungsweise irdische Wesen, verflochten in spekulativer Erzählung, Science Fiction, Science Fact und spekulativem Feminismus, erdenken mögliche Welten und mögliche Zeiten in ungeahnter Gesellschaft. Es ist ein reicher Nährboden für lebenswerte Narrative, die über katastrophistische und deterministische Diskurse hinausgehen.  
Im Versuch, essentialistische Entwürfe zurückzuweisen und sich mit einem postkolonialen ökologischen Denken  zu verbinden, zeigt Capitalo, Chthulu, and a Much Hotter Compost Pile künstlerische Positionen, die sich mit alternativen Politiken des Ontologischen beschäftigen, mit Umweltfragen und spekulativen Erzählungen für unsere prekäre Zeit. Es handelt sich um Geschichten aus dem Leben (und Nicht-Leben), erzählt von der anderen Seite, um zu  verstehen, wie Menschen im Netz des Lebens zugehörig sein, wie sie mit-weben, ko-produzieren und kom-postieren können. 

Beteiligte Künstler*innen:

Ana Alenso, Madison Bycroft, Liza Dieckwisch, Jelena Fuzinato, Geovanna Gonzalez, Ben Greber und Bram Kuypers, Tue Greenfort, Ann Duk Hee Jordan, Femke Herregraven, Marta Leite, Regina de Miguel, Zoe Claire Miller, Nucbeade, Naufus Ramirez-Figueroa, Anais Senli, Michael E. Smith;  

Ein Projekt des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien kuratiert von Lorena Juan, Lena Johanna Reisner und Anaïs Senli. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa: Ausstellungsfonds für Kommunale Galerien, Fonds für Ausstellungsvergütungen und gefördert aus der Projektförderung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Mit freundlicher Unterstützung der Botschaft Spaniens in Berlin.