Up In Arms — Ein Projekt der nGBK

28.9. – 15.12.19

UP IN ARMS (AT) – Eine Ausstellung der NgbK
UP IN ARMS – Eine Ausstellung der NgbK – Neue Gesellschaft für Bildende Gesellschaft für bildende Kunst
Kuratiert von Ayşe Güngör, Cassandra Mehlhorn, Gabriela Seith, Amalie Sølling-Jørgensen, Johanna Werner
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die LOTTO-Stiftung Berlin.
In Up in Arms (Arbeitstitel) geht es um die Möglichkeit Kunst als eine Waffe zu nutzen und um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Waffenhandel durch Kunst. Das Projekt verbindet Handlungsfelder von Recherche, Aktivismus und Kunst, um Netzwerke der Waffenindustrie sowohl historisch als auch mit Blick auf die Gegenwart zu durchleuchten. Es setzt sich zusammen aus der Ausstellung in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst, in welcher neben historischen und zeitgenössischen Arbeiten auch Archivmaterialien Verknüpfungen von Waffenindustrie, Krieg, Kapitalismus und Kolonialismus zeigen, und Führungen im öffentlichen Raum in Berlin. Dabei erprobt es als Kunst- und Rechercheprojekt die Zusammenarbeit von Kunst und Aktivismus und stellt mit der Projekt Website eine Plattform für Information und Interaktion her. Die Erweiterung der Ausstellung in den öffentlichen Raum ist ein signifikanter konzeptioneller Bestandteil mit einem eminenten öffentlichen Wirkungspotential, da zentrale und belebte Orte wie der Pariser Platz oder die Friedrichstraße in Berlin durch Führungen miteinbezogen werden. An den ausgewählten Orten sind Büros und Verbände von Rüstungsfirmen und ehemalige Rüstungsproduktionsstätten angesiedelt. Die gegenwärtige weltweite Tendenz zur Aufrüstung und die damit verbundenen zahlreichen Kontroversen um Belieferungen deutscher Rüstung an Nicht-EU und Nicht-NATO Staaten beziehungsweise Staaten, die in Kriegen und Konflikten verwickelt sind, bedingen die Notwendigkeit zur Auseinandersetzung. Die aktuelle Brisanz wird zum Beispiel ersichtlich in der Diskussion der Belieferung der Türkei mit Panzern durch das Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegman, die bei dem türkischen Einmarsch in syrische Gebiete eingesetzt wurden. Dies löste kurzzeitig heftige öffentliche Diskussionen aus. Die Firma Heckler & Koch erregte wegen menschenrechtswidriger Lieferungen von Waffen nach Mexiko großes Aufsehen, weshalb die Verantwortlichen seit Mai 2018 vor Gericht stehen. Derzeit stellt die Strafanzeige gegen die Tochterfirma Rheinmetalls RWM Italia eine Neuerung im Vorgehen gegen transnationale Widrigkeiten im Waffenhandel dar. Diese Fälle haben öffentliche Diskussionen ausgelöst und bilden bei weitem nicht alle kritisch zu be- trachtenden Waffendeals ab. Organisationen wie das European Center for Constitutional and Human Rights, welches juristisch eingreift, oder NGOs wie Aufschrei Waffenhandel oder Urgewald, die aktivistisch vorgehen und durch Aktionen, Petitionen und Berichte informieren, sind ein wichtiges gesellschaftliches Korrektiv. Als bedeutender gesellschaftspolitischer Diskursort in Berlin ist es ein großes Anliegen diese Thematik neben dem öffentlichen Raum in der neuen Gesellschaft für bildende Kunst zu durchleuchten, in der Kunst als Handlungsform betrachtet wird, die auf gesellschaftliche Prozesse zurückwirkt und als wichtiger soziopolitischer Kunstraum über Berlin hinaus zur Diskussion aufrufen kann. Dabei kommt zusammen mit der aktivistischen die künstlerisch-dokumentarische Annäherung zum Zuge, um historische Bedingungen, wirtschaftliche Verflechtungen des Waffenhandels und dessen Ausmaß und Ambivalenzen ästhetisch und physisch erfahrbar zu machen. Solche Auseinandersetzungen wurden durch KünstlerInnen-Kollektive wie der Gruppe Peng! oder durch das Zentrum für Politische Schönheit unternommen. Diese zogen medienwirksam Aufmerksamkeit auf die Thematik. Auch im Bereich des Theaters hat Rimini Protokoll mit den „Situation Rooms“ eine eindrucksvolle Möglichkeit geschaffen, sich den Auswirkungen des Waffengeschäfts auf individuelle Leben zu widmen. Das Projekt Up in Arms wagt nun das Unternehmen verschiedene AkteurInnen im Zusammenwirken von künstlerischen und aktivistischen Auseinandersetzungen erstmals im Ausstellungskontext zusammenzubringen. Die Symbiose unterschiedlichster Herangehensweisen im Projekt soll ein interdisziplinäres Forum schaffen, das neue Verknüpfungen sowie Konzepte der kritischen Auseinandersetzung mit Waffenproduktion und Waffenhandel ermöglicht.

Beteiligte Künstler*innen/Gäste :

John Heartfield, Peter Kennard, Jill Gibbon, Hiwa K., Sonia Hedstrad, Dani Ploeger, Julian Röder, Constantine Zlatev und weitere KüsntlerInnen

nGbK-Projektgruppe:

Ay?e Güngör, Cassandra Mehlhorn, Gabriela Seith, Amalie Sølling-Jørgensen, Johanna Werner
Die Ausstellung Up in Arms ist ein Projekt der nGbK in Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien.