Regarding Spectatorship: Revolt and the Distant Observer

21.11.15 – 17.1.16

Regarding Spectatorship: Revolt and the Distant Observer untersucht den Blick und die Anteilnahme des distanzierten Beobachters in Bezug auf medial vermittelte politische Ereignisse. Das Projekt beleuchtet kritisch die Rolle von Massen- und informellen Medien sowie Technologie für die Politiken der Repräsentation.
Infolge einer intensiveren medialen Vermittlung von Protesten auf der ganzen Welt scheinen immer mehr Menschen politische Unruhen aus großer Entfernung mitzuerleben. Bilder von Aufruhr und Revolte verbreiten sich mit exponentieller Geschwindigkeit und in nie gekannter Bandbreite. Die neuen „sozialen“ Medien spielen neben den traditionelleren Kommunikationskanälen wie Fernsehen und Rundfunk eine immer größere Rolle bei Aufständen und Konflikten und werden ebenso zum Teil des Spektakels wie zu seinem Medium.
Die Ausstellung im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien bildet den Höhepunkt einer einjährigen Reihe von Veranstaltungen und Onlinepublikationen. Mittels Arbeiten von Künstlern verschiedener Generationen sowie einer Vielzahl musikalischer, literarischer, journalistischer und filmischer Dokumente gibt sie Einblick in ganz unterschiedliche, zum Teil auch widersprüchliche Formen des Betrachtens politischer Ereignisse. Die Ausstellung beleuchtet die Rolle der Zuschauer und stellt die Frage nach ihrer Handlungsfähigkeit und -macht, ihrem Interesse in Hinblick auf Situationen und Umstände, die sie nicht direkt erfahren, sowie ihrer Funktion in dieser eigentümlichen Fernbeziehung. Wenn mediale Vermittlung ein inhärentes Phänomen des politischen Raums der Gegenwart ist, wie beeinflusst dies Wahrnehmungen und Reaktionen?
Ist Zuschauen immer voyeuristisch oder birgt es vielmehr emanzipatorisches Potenzial? Inwiefern trägt der Beobachter zur Konstruktion historischer Narrative bei? Ist der Akt des Beobachtens individuell und solipsistisch oder wird dadurch auch eine Kollektivität erwirkt bzw. mit konstituiert?
Indem sie Fragen hinsichtlich der Ambivalenz rund um die Rolle technologischer Vermittlung im politischen Raum aufwirft, problematisiert die Ausstellung das Verhältnis von Distanz und Beteiligung, Zuschauertum und Engagement sowie Sehen und Handeln.
Wie der Titel nahelegt, eröffnet sie die Bühne für eine selbstreflexive Geste: „Wir“, die andere Zuschauer durch eine Linse, einen Bildschirm oder eine Leinwand beobachten, werden selbst zu Betrachtern.
Ein Projekt des Kunstraum Kreuzberg/Bethanien kuratiert von Marianna Liosi und Boaz Levin gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds

Künstler*innen:

Abbas Akhavan, Özlem Altin, Gilad Baram, Bernadette Corporation, Harun Farocki, Massimo Grimaldi, Sharon Hayes, Daniel Herleth, Darius Kazemi, Ken Lum, Martha Rosler, Falke Pisano in Zusammenarbeit mit Archive Books, David Reeb, Sandra Schäfer, Allan Sekula, Peter Snowdon und Ian Wallace

Beitragende sind u. a.:

Brian Holmes, Vera Tollman, Quinn Slobodian, Sohrab Mohebbi, Oleksiy Radinsky, Paolo Caffoni, Azin Feizabadi, Kaya Behkalam, Jens Maier-Rothe, and Martha Rosler.